MHFA Ersthelfer-Kurs Teil 4

Angststörungen

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Erste Hilfe für psychische Gesundheit hilft!

Das vierte Modul beim MHFA Ersthelfer-Kurs informierte uns über die Nr. 1 der psychischen Erkrankungen – die Angsterkrankung / Angststörung.
Bei einer Angsterkrankung scheint die Angst für die Betroffenen unüberwindbar zu sein. Innerhalb eines Jahres sind in Deutschland 15,3 % der Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren von einer Angsterkrankung betroffen. Oftmals wird eine Angststörung von Depressionen oder Substanzabhängigkeit begleitet.

Was versteht man unter Ängsten?

Die Angst ist durchaus nützlich, denn sie bewahrt uns vor gefährlichen Situationen und wenn es so etwas wie eine Urangst vor Raubtieren gibt, dann muss auch der Säbelzahntiger (Katze) tiefe Kratzspuren im Gedächtnis der Menschheit hinterlassen haben. Anhand dessen hatten unsere Vorfahren die Flucht-oder-Kampf-Reaktion (fight or flight reaction), kurz Alarmreaktion entwickelt, damit damalige Begegnungen mit einem Säbelzahntiger unbeschadet blieben. Dadurch wirkte das Tier auf das Verhalten und vielleicht auch auf die Psyche, die Urängste des Menschen ein.

Die Nervenbahnen des Sympathikus und Parasympathikus führen vom zentralen Nervensystem (ZNS = Gehirn und Rückenmark) aus zu den Organen und beeinflussen beziehungsweise steuern diese. Wie beim Beispiel mit dem Säbelzahntiger löst unser Nervensystem bei Gefahr eine Kaskade von physiologischen Reaktionen aus, welche hauptsächlich die Aktivierung des Sympathikus bewirkt. Der Sympathikus, so wie auch der Parasympathikus, gehört zum sogenannten „autonomen Nervensystem“ (eigenständig) unseres Organismus.
Das Gegenteil ist Parasympathikus also der „Gegenspieler“ vom Sympathikus und hat das Ziel den Organismus wieder zu beruhigen, Ruhe- und Regenerationsphasen („rest and digest“).

Unterschied zur normalen Angst

Angststörungen sind intensiver, länger anhaltend und beeinflussen Beruf, Familie, Freunde und weitere Aktivitäten im Alltag.

Wichtige Anzeichen könnten sein:

Gedankenrasen oder Aussetzen der Gedanken
Gefühle mit unrealistische oder übersteigender Angst, Wut, Ungeduld
Verhaltensvermeidung von bestimmten Situationen, zwanghaftes Verhalten
Körperliche Symptome wie Herzklopfen, enge in der Brust, Atemnot, Schwindel, Durchfall, Übelkeit

Angststörungen in kurzer Erklärung

Agoraphobie:
Dabei werden bestimmte angstauslösende Situationen vermieden z. B. alleine die Wohnung zu verlassen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, vor Angst und Peinlichkeit in Ohnmacht zu fallen etc. und niemand da ist um zu helfen.
Panikstörung:
Extremer Angstzustand der für die Situation eigentlich unangemessen ist und unvorhersehbar auftreten kann. Symptome ähnlich wie beim Herzinfarkt, Gefühl die Kontrolle zu verlieren, wenn die Betroffenen ein mal eine Panikattacke erlebt haben, dann entsteht einen Erwartungsangst wieder eine Panikattacke zu bekommen.
Soziale Phobie:
Extremes Unbehagen in sozialen Situationen, Angst vor anderen zu sprechen, weil die Personen befürchten, dass andere eine schlechte Meinung von ihnen haben könnten. Mindestens 6 Monate vorhanden sein.
Spezifische Phobien:
Leiden unangemessener Angst vor Situationen, Objekten z. B. Spinnen, Fliegen und Fahrstuhl nutzen.
Generalisierte Angststörung:
Personen leiden an unbegründete Angst und haben Sorgen, sehen tägliche Ereignisse als bedrohlich oder als nicht zu bewältigen an.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS):
Eine PTBS kann auftreten, wenn jemand eine extrem belastendes Ereignis – bedrohliche Situation direkt erlebt hat, oder gesehen hat. Trauma und Flashbacks treten wiederkehrend auf.
Zwangsstörungen:
Zwangsstörungen sind durch wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gekennzeichnet und drängen sich gegen den Willen der Betroffenen immer wieder auf.

Hilfe finden

Welche Fachpersonen können bei einer Angststörung Hilfe bieten:
Hausärzte, Psychologen und Psychotherapeuten, Psychiater, Pflegekräfte für Psychiatrie, Sozialarbeiter und Genesungsbegleiter.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt ein breites Spektrum von Behandlungsmöglichkeiten bei Angststörungen, verschiedene Psychotherapien, Psychopharmaka, Komplementärtherapie (KT) ist ein “Zusammenschluss” körperorientierter Methoden z. B. Entspannungstraining und Bewegung.

Weiter wurde wieder auf das ROGER Prinzip hingewiesen, welches wir als Ersthelfer anwenden sollten

REAGIEREN – Begegnen, bewerten, beistehen
OFFEN – und unvoreingenommen zuhören und kommunizieren
GIB – Unterstützung und Information
ERMUTIGE – zu professioneller Hilfe
Reaktiviere – Ressourcen

Schnelle Hilfe im Notfall:
112 (Rettungsdienst)
Telefon Seelsorge
0800 111 0 111
0800 111 0 222
116 123