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Hochwasser der Seele

Seele


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Hochwasser der Seele


Schon als junger Mann beschäftigte ich mich Anfang der 90 er Jahren gezwungenermaßen  mit meiner psychischen Erkrankung. Mein Name ist Steffen und habe eine chronische Angsterkrankung mit Panik Attacken und depressiven Episoden. Die Erkrankung ist nun ein Teil von mir, manchmal intensiver, manchmal auch weniger spürbar. Klar, ich habe lange gezögert, ob ich wirklich dieses Projekt und damit meine sehr persönliche Geschichte via Blog – Kolumne veröffentlichen will. Noch schwieriger ist die konsequente Annahme meiner Erkrankung und den Weg zu einem Arzt des Vertrauens zu finden. Sodass ich offen über mein Problem sprechen kann. Nun will ich das ernsthaft, also meine Erkrankung und auch Gedanken ins Netz stellen? Aus heutiger Sicht sehe keine Schwierigkeiten (mehr), weil „darüber reden“ wie dargestellt zur Erleichterung des seelischen Befindens beitragen kann.

Durch meine depressiven Episoden kommen immer wieder Zwangsgedanken hinzu. Plötzliche absackende Laune sorgt wunderbar für einen fallenden Stimmungspegel. Das Verhältnis der schlechten Stimmungen zur „normalen“ Stimmungen ist nicht ausgewogen und hält lange an. Dummerweise kommt die Sache völlig ohne Vorankündigung, also nicht irgendwie geplant. Ich bin sehr froh darüber, dass ich durch die tägliche Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahme Hemmer (SSRI) Erleichterung spüre, wenn auch nur symptomatisch. Ohne das „Psychopharmaka“ geht es mir tatsächlich viel schlechter.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) veröffentlichte im Januar 2019 in ihrem DGPPN-Faktenblatt, dass jährlich zirka 27,8 % der Erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung in Deutschland betroffen sind.
Umgerechnet sind rund 17,8 Millionen Personen betroffenen, davon nehmen pro Jahr nur 18,9 % Kontakt zu Leistungsanbietern auf. Vorne weg zählen dabei die Angststörungen (15,4 %), gefolgt von affektiven Störungen (9,8 %, unipolare Depression allein 8,2 %) und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum (5,7 %).

Gerade die Angststörung gilt als einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung einer Depression. Insbesondere dann, wenn die Angststörung über eine längere Zeit unerkannt, beziehungsweise nicht behandelt wurde.

Zum Glück sind Angststörungen und Depressionen heutzutage nicht mehr so streng tabuisiert in unserer digitalen Welt, doch wenn man die Fakten der DGPPN liest, lassen sich immer noch viel zu wenige Menschen fachgerecht helfen und trauen sich nicht über ihre Erkrankung zu sprechen.

Das finde ich ganz schrecklich, ich kenne das von mir, deshalb habe ich den Wunsch, dass wir durch die Plattform mentalfirstaid.de es ein wenig schaffen, mehr Verständnis, mehr Akzeptanz und Unterstützung für uns die „Betroffenen“ zu erreichen. Aber auch die „Teil-Betroffenen“, dazu gehören zum Beispiel die Angehörigen, Freunde und Nachbarn damit sie auch über die Erkrankung sprechen können.

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